Parasiten-Refugium und selektive Entwurmung

Viele Halter von Schafen oder Ziegen kennen das Problem: Die inneren Parasiten. Die Behandlung wird immer schwieriger, denn die Resistenzen gegen die Entwurmungsmittel nehmen zu. Es ist wichtig, die Wirksamkeit der verfügbaren Mittel möglichst lange zu erhalten. Wir vom BGK raten zum Refugium.

Das Problem beim Medikamenteneinsatz
Allein mit Medikamenten lässt sich das Parasitenproblem auf Dauer nicht lösen. Bei einer Entwurmung gibt es immer einzelne Würmer, die die Behandlung überleben, weil sie resistent gegen das Medikament sind. Die empfindlichen Würmer sterben alle ab. Das Gleichgewicht empfindlich/resistent kippt also mit jeder Entwurmung auf die Seite der resistenten Würmer. Das kann nicht aufgehen!

 

Das Refugium
Die Idee ist eigentlich ganz einfach: Ein Teil der Herde wird nicht entwurmt. In den nicht entwurmten Tieren überleben auch die Parasiten, die empfindlich auf Entwurmungsmittel reagieren. Damit wird ein sog. Refugium geschaffen, ein Rückzugsort, wo die empfindlichen Parasiten überleben können.

Der Trick beim Refugium? Die Vererbungslehre! Die Resistenzen werden rezessiv vererbt. Verpaart sich also ein empfindlicher Wurm mit einem resistenten Wurm, sind 75% der Nachkommen empfindlich auf das Entwurmungsmittel.

Es gibt zwei Arten von Refugien: Im Tier oder auf der Weide.

 

Refugium im Tier
Als Halter sind Sie nun herausgefordert: Welche Tiere kommen als Refugiumtiere in Betracht? 10 – 20% der Herde als Refugium ohne Entwurmung reichen aus. Natürlich ist die Vermeidung von Tierverlusten aber das oberste Ziel. Absolute Pflicht: Tierbeobachtung, Gewichtskontrolle und Kotanalyse. Planen Sie das fest in die Arbeitsabläufe ein, z.B. beim Weideumtrieb.

Gesucht sind die Tiere, die trotz einem gewissen Parasitendruck gute Leistungen erbringen und die keine dieser Anzeichen von Verwurmung aufweisen: Durchfall, Abmagerung, struppiges Haarkleid bzw. trockene Wolle oder blasse Lidbindehäute. Bei Jungtieren gibt die Gewichtszunahme einen sehr guten Hinweis auf die Leistung.

Sind die Abstände zwischen den Kontrollen zu gross, kann der Parasitendruck auf der Weide bereits stark angestiegen sein. In diesem Fall können auch Tiere mit einem gut funktionierenden Immunsystem den Befall nicht mehr aus eigener Kraft kontrollieren.

 

Refugium auf der Weide
Manchmal ist es nötig, die ganze Herde zu entwurmen. In den Tieren haben danach die resistenten Würmer die Entwurmung überlebt. Wechseln Sie deshalb nach einer Behandlung nicht gleich die Weide! Auf die neue, «saubere» Weide würden so nur resistente Würmer gelangen. Resultat: In den Tieren vermehren sich nur noch resistente Parasiten. Vermeiden Sie dieses Szenario und lassen Sie nach der Entwurmung aller Tiere Ihre Herde noch ein paar Tage auf einer «verschmutzten» Weide verweilen. Die Tiere nehmen so auch wieder empfindliche Parasiten auf.


Selektives Entwurmen
Nun geht es um das selektive Entwurmen. Dazu teilen Sie Ihre Tiere in Gruppen ein:

• Einteilung nach Alter
Jungtiere sind meist deutlich stärker von Parasitenbefall betroffen als erwachsene
Tiere. Daher reicht es manchmal, nur den Nachwuchs zu entwurmen, während die Adulten ein Refugium bilden.

• Einteilung nach Leistung
Tiere, welche hohe Leistungen erbringen (hohe Milchleistungen, Trächtigkeit),
sind anfälliger und erkranken eher an Parasiten als andere.

• Einteilung nach Gesundheitszustand
Tiere, welche in der Vergangenheit bereits stark verwurmt waren, haben eine schwächere Immunabwehr und erkranken schon bei einem tieferen Parasitendruck. Tiere, die an anderen Allgemeinerkrankungen leiden, sind anfälliger für Parasiten.

Bei Unsicherheiten ziehen Sie Ihren Bestandestierarzt zu, lassen sich von Fachmitarbeitern des BGK beraten oder lassen Kotproben von zwei oder mehr Tiergruppen im Labor auf Parasiten untersuchen.

Wichtig sind also gesunde Tiere mit einem starken Immunsystem, ein gutes Weidemanagement und Entwurmung nach Bedarf. Stimmt das alles, können Parasiten auf Dauer erfolgreich bekämpft werden. Der BGK hat mit der Refugium-Methode, die auf diesen drei Säulen ruht, sehr gute Erfahrungen gemacht. Parasitenbekämpfung mit Köpfchen!


Alle Informationen zur Entwurmung finden Sie auf unserer Website. Dort können Sie auch unsere Merkblätter zu Parasiten, Entwurmung und Refugium bestellen. Oder Sie rufen uns ganz einfach an!

Weitere Informationen
Dienstleistungsgruppen:
Viehpflege und Tiergesundheit
    Tiergesundheit

Anwendungsbereich:
Kleinwiederkäuer

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Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer

Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer BGK/SSPR

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